Schnitzel-Walter – der tiefe Fall eines Rocker-Königs

  • VON PETER ROSSBERG

Vom eigenen Zögling hintergangen, von alten Freunden alleine gelassen und von seinen Feinden zum Frieden gezwungen…

Frankfurt – Nach der ersten Festnahme wegen der Schießerei am Vatertag in der Frankfurter Innenstadt scheint der Fall kurz vor der Aufklärung. Es war der brutale Höhepunkt interner Rocker-Streitigkeiten bei den „Hells Angels“.

Angriffe und Schüsse auf eigene Club-Brüder waren vor Jahren in Frankfurt oder anderen Städten undenkbare Szenarien. Alles begann mit dem Abstieg der ehemaligen Szene-Größe Walter Burkhard, genannt Schnitzel-Walter.

Es ahnte niemand, doch mit der Festnahme des wichtigsten „Hells Angels“-MitgliedesFrank Hanebuth im Jahr 2011, begann auch der Abstieg von Schnitzel-Walter. Bis dato eine unangefochtene Rotlichtgröße in Hessen, der mit seinen Geschäften Millionen verdiente.

Vier Monate nach der Inhaftierung Hanebuths beginnt der Zoff um die neue Führung der Hells Angels in Deutschland.

Hanebuths langjähriger Geschäftspartner Neco Arabaci (43, genannt „der Schönling“) schaltet sich ein: Arabaci darf zwar Deutschland nach seiner Abschiebung im Jahre 2007 nicht mehr betreten, beansprucht aber trotzdem die Herrschaft über die deutsche Rocker-Szene.

Als Präsident des türkischen Hells Angels-Charters „MC Nomads Türkei“ pflegt er beste Kontakte zu deutschen Türken in der Rocker-Szene – und nutzt diese um seine Macht auszuweiten.

Mit seinem Griff nach der deutschen Rocker-Herrschaft bringt „der Schönling“ vor allem die deutschen Alt-Rocker um Walter B. (60, genannt „Schnitzel-Walter) gegen sich auf.

Der Konflikt soll intern geklärt werden. Wie BILD damals aus Sicherheitskreisen erfährt, sollen Auftragskiller angeheuert worden sein, um „Schnitzel-Walter“ beiseite zu schaffen. „Einen Mordanschlag auf Schnitzel-Walter schließen wir nicht aus“, sagte ein Ermittler.

Frankfurt war neben Hannover und Hamburg eine der wenigen Großstädte, in denen es außer „Hells Angels“ nichts gab. Das Gebiet war verteilt und unantastbar. Walter war nie jemand, der sich besonders um strategische Ausrichtungen seines Clubs kümmerte.

Aber aufgrund seiner Bedeutung hatte sein Wort immer Gewicht. Schnitzel-Walter galt als einer der wichtigsten Rocker in Europa.

Doch dann kam der Juni 2014 und etwas in diesen Sphären völlig ungewöhnliches passierte. Es gab einen Putsch gegen Walter – ausgerechnet von seinem ehemaligen Zögling Aygün M aus Gießen. Viele Jahre war er einer der wichtigsten Männer von Burkhard, machte die Sicherheit an vielen Bordellen und verdiente gutes Geld.

Mucuk

Doch Aygün hatte hinter dem Rücken von Burkhard die Fronten gewechselt. Er diente sich dem Türken-Rocker Neco Arabaci an, der mit seinen Anhängern einen Keil in die deutsche „Hells Angels“-Szene trieb. Nach der Festnahme von Hanebuth begann Arabaci, im Wissen der Schwächung, mit seiner Spaltung.

Er zog immer mehr Rocker auf seine Seite, vor allem diejenigen mit Migrationshintergrund. Mit Arabacis Segen begann Aygün den Angriff auf Burkhard. Mit einer Schiesserei am Club Katana, der bundesweit Schlagzeilen machte.

Burkhard versuchte danach, dass Aygün aus dem Club geworfen wird. Aufgebracht soll er in mehreren Sitzungen für die Werte und Regeln des Clubs gekämpft haben. Doch die Zeiten hatten sich geändert: Entgegen vieler Clubregeln wurde Aygün nicht rausgeworfen, sondern er bekam einige Monate später sogar sein eigenes Charter: „Hells Angels MC Gießen“.

Für Burkhard wurde es noch schlimmer, es begann etwas fast unvorstellbares. Es gab Anträge bei den „Hells Angels“, dass Burkhard auf „out in bad standing“ gesetzt wird. Heißt: Er wäre aus dem Club geflogen und jeder hätte die Verpflichtung gehabt ihn anzugreifen.

Nie gab es weltweit einen derartigen Umgang mit einem langjährigen Führungsmitglied. Burkhard ließ es darauf ankommen und zur Abstimmung kommen. Bei der offenen Wahl war bis auf ganz wenige die große Mehrheit gegen einen Ausschluss von Burkhard. Er reiste zu vielen Meetings, um die Oldschool-Rocker auf seine Seite zu bringen.

Doch Burkhard hatte wieder die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Er gewann zwar die Abstimmung, wurde nicht aus dem Club geworfen, aber er fand in ganz Europa keine Mitstreiter mehr. Ob die Dänen, die Italiener oder die Beneluxländer – alle hatten mittlerweile geschäftliche Verbindungen zu Arabaci und seinen zahlreichen Möchtegern-Rockern.

Schnitzel-Walter hörte irgendwann auf zu kämpfen, er zog sich zurück und kümmerte sich nur noch um seine Geschäfte. Clubs wie die „Osmanen Frankfurt“, „Osmanen Germania“ und sogar die „United Tribuns“ versuchten es plötzlich in der Mainmetropole.

Burkhard ließ es geschehen, ihm fehlten die Mittel oder die Unterstützung, dagegen etwas zu unternehmen. Laut eines Insiders war seine Frustration so groß, dass er seinem Erzfeind Aygün sogar seine Geschäfte anbot und sagte er könne ganz Frankfurt haben. Aber nur, wenn er auch alle finanzielle Verpflichtungen übernehme. Aygün habe abgelehnt.

Und dann kam es im Februar 2015 zur größten Schmach überhaupt für Burkhard. Aygün hatte mit dem Promoter Ahmet Öner in Offenbach eine große Boxveranstaltung organisiert. Neben den zahlenden Gästen waren nur Freunde und Unterstützer von Aygün anwesend. Und Schnitzel-Walter mit einigen Begleitern.

Aber nicht weil er wollte, sondern weil er musste. Wochen zuvor war in Griechenland ein wackeliges Friedensabkommen geschmiedet worden, das auch für die Hessen gelten sollte.

Mitglieder wurden neu verteilt, neue Clubs gegründet – alte und neue Rocker sollten so zusammenfinden. Um diesem Abkommen die nötige Bedeutung zu geben, wurde Burkhard also gedrängt, diesen Boxkampf aufzusuchen. Er kam, die Mütze tief im Gesicht und versuchte jeder Kamera aus dem Weg zu gehen. Einem Handschlag mit Aygün ging er aus dem Weg.

Ein Insider: „Walter hat mit der heutigen Form des Clubs abgeschlossen, aber er würde nie von selbst austreten. Dafür bedeutet ihm der Name ‚Hells Angels‘ zu viel. Aber er hat vergessen, dass mit seinem Rückzug auch viele seiner Anhänger auf der Strecke geblieben sind. Und die sind viel jünger und wollen weiter im Rotlicht verdienen. Es war klar, dass diese Gruppe sich irgendwann von Walter trennt und eigene Weg geht. Das Ende ist nicht absehbar.“

DIE NEUE UNHEIMLICHE ROCKER-ALLIANZ!

► Auf der einen Seite: die „Osmanen Frankfurt“.

► Auf der anderen: die „Osmanen Germania“, die Hells Angels Gießen um Aygün M. und die Box-Truppe vom „Lions Fight Club“.

Bis an die Zähne bewaffnet! Bei der Durchsuchungen zweier Rocker-Autos finden Beamte Schlagstöcke, Einhandmesser, Schusswaffen und Schutzwesten.

Die Offenbacher Polizei rechnet mit dem Schlimmsten: „Nach aktueller Lagebeurteilung ist zeitnah mit einer weiteren Eskalation zu rechnen!“

Im Hintergrund laufen „massive Maßnahmen“, um eine blutige Auseinandersetzung zu verhindern. Die Offenbacher arbeiten eng mit den Polizeipräsidien Frankfurt und Darmstadt, dem LKA sowie dem Innenministerium zusammen.

Quelle: 

http://www.bild.de/bild-plus/news/inland/motorradclub/der-tiefe-fall-von-rocker-koenig-schnitzel-walter-45814996,var=a.bild.html

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s