Harry Voerthmann, das „H“ der Ex-Hamburger Zuhälterbande GmbH ist tot

Letzte Woche starb in einem Alten- und Pflegenheim in Schleswig-Holstein mit Harry Voerthmann ( geb. 04.11.1938 in Dortmund ) im Alter von 77 Jahren das „H“ der ehemaligen Hamburger Zuhälterbande GMBH, die in den 70er- und bis Mitte der 80er-Jahren, zusammen mit Nutella, das Geschäft mit der Prostitution auf dem Kiez bestritt.
Nach Angaben der „Mopo“ ist er in einem Pflegeheim nahe Itzehoe gestorben. Voerthmann lebte nach Angaben der Zeitung zuletzt völlig verarmt und bezog Hartz IV. Er litt zudem seit Jahren an Demenz.
Der Spitzname von Harry Voerthmann war der „100-jährige“, weil er so viele Geschichten angeblich „erlebt“ hatte, die selbst für ein 100-Jähriges Leben nicht reichen würden. Harry hat immer davon erzählt, wie viele Jahre er Zuhälter war, wie lange er im Knast gesessen ist, wie lange er bei der Fremdenlegion war und so weiter. Irgendwann hat man ihm mal vorgerechnet, wie alt er wäre, wenn die ganzen Geschichten stimmen würden. Daher „Der Hundertjährige“.
Er stammte aus einer Zeit, in der sich die Könige vom Kiez noch klangvolle Künstlernamen gaben: „Lamborghini-Klaus“, „Lackschuh-Dieter“, „Hunde-Helmut“, „Chinesen-Fritz“, „Der schöne Mischa“, „Beatle“… und halt „der Hundertjährige“.

Harry Voerthmann war einer der 4 Bosse der GmbH – Zuhälter-Truppe:

Gerd Glissmann (Jahrgang 1945, zuständig für Finanzen), Michael Luchting („Der schöne Mischa“, Jahrgang 1948, zuständig für die Anwerbung und Betreuung der Huren), „Beatle“ Walter Vogeler, Jahrgang 1942, zuständig für  Zucht und Ordnung) und Harry Voerthmann ( Jahrgang 1938, zuständig für die Immobilienverwaltung).

Ihre Anfangsbuchstaben bilden die „GMBH“– eine „Gesellschaft Mit Bereitwilligen Huren“, die nie den Weg ins Handelsregister findet.

Die GMBH, die rund 90 Zuhälter und 1000 Dirnen repräsentierte, arbeitete nach einem klaren Firmenkonzept. Luchting war der oberste Anwerber („Poussierer“) und zugleich Personalchef, seine drei Partner waren für Finanzen, Immobilien und innere Sicherheit zuständig.

Unter diesem „Vorstand“ arbeiteten Mitarbeiter in stabsähnlicher Funktion, wie Manager, Prokuristen und Sachbearbeiter. Im Produktionsbereich vor Ort gab es sowohl eigene Leute als auch Vertragspartner mit vielfältig getarnten Beziehungen – Vertragsabschluß per Handschlag. Auf der untersten Ebene schaffte das finanziell ebenso einträgliche wie kurzgehaltene Personal, die GMBH-Huren, „Hühner“ genannt.

Die Truppe verdient sich dumm und dämlich, jeder „Gesellschafter“ um die 200 000 Mark im Monat. Steuerfrei, logisch.

Alles geht gut, bis sich eine Boygroup junger Zuhälter um Klaus Barkowsky auf dem Kiez breitmacht und der arrivierten „GMBH“ in die Quere kommt und sich selber ein großes Teil vom Kuchen abschneidet.

klaus

Wegen ihres zarten Alters von um die 20 Jahre werden die Typen „Nutella“-Luden genannt. Diesen Namen verdankt die Truppe junger Männer ihren älteren Rivalen. Die belächeln die Jungen und meinen, sie sollten mehr Nutella-Brote essen, um erst einmal groß und stark zu werden. Aber die Nutella-Jungs waren schon stark genug. Zum Führungsgremium von Nutelle gehörten ca. 9 Mann. Die Führungspersonen der Nutella sind bis heute nicht alle bekannt. Klar ist aber, dass Klaus „Schöner Klaus/Lamborghini-Klaus“ Barkowsky eine grosse Rolle spielte.

kiez

Die GMBH erhielt somit ihre erste bedeutende Konkurrenz durch die Nutella, eine Bande von Jungluden.  Ärger gab es aber auch mit der Chikago-Gruppe am Hans-Albers-Platz, zumal Michael Luchting den dortigen Zuhältern Prostituierte abwerben wollte.

1981 wurde Fritz „Chinesen Fritz“ Schroer im Lokal „Die Ritze“ erschossen. Man vermutet, dass sich sein Partner Peter „Wiener Peter“ Nusser, der dem Chikago nahestand, endgültig von ihm trennen wollte. Bis heute konnte das aber nicht bewiesen werden. Es wirkte so, als sei Schroer gezielt in eine Falle gelockt worden. Als Schütze spekulierte man über einen Südländer oder einen Deutschen, der sich südländisch verkleidet hätte, wie z. B. Dietmar „Lackschuh“ Traub, der im Anschluss an die Tat Schroers Rolle einnahm.

1982 kam es dann zu einer Schiesserei im Eros-Center, bei dem 2 Männer der Nutella starben (  „Angie“ Becker und „SS-Klaus“ Breidenreicher) und Thomas Born angeschossen wurde. Die Tat ging in die Kiez-Annalen ein.

Als dann auch noch Aids den Freiern die Lust am Sex vermieste, ging es bergab. Der „Schöne Mischa“ Luchting hängt am 3. Oktober 1982, im Alter von nur 34 Jahren, mit einem Autoabschleppseil um den Hals, an einem Hochsitz bei Thieshope in der Lüneburger Heide. 

Mischa Luchting Hochsitz Thieshope

Es ist nie richtig aufgeklärt worden, ob er ermordet wurde oder sich dass Leben nahm.

http://novatlan.blogspot.de/2013/08/der-fall-michael-luchting.html

Andere Luden werden erschossen, verlassen Hamburg oder verschwanden sonstwie in der Versenkung.

Damit war die „Goldene Zeit“ auf dem Kiez vorbei.

Harry Voerthmann und Walter „Beatle“ Vogeler agierten aber noch bis in die 90er auf dem Kiez in HH-St. Pauli.

Ringo Klemm mußte 1992 das „Chicago“ am Hans-Albers-Platz an seine Widersacher Harry Voerthmann und „Beatle“ Vogeler verkaufen, die auch das „Haus Mehrer“ an der Großen Freiheit übernahmen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202645929/Das-Aus-fuer-den-Paten-von-St-Pauli.html

R.I.P. Harry!

harry

Michael Luchting, das „M“ der GmbH, starb am 3. Oktober 1982. Er wurde nur 34 Jahre alt.

Micha Luchting

Walter „Beatle“ Vogeler, das „B“ der GmbH, starb im Mai 2011 im Alter von 69 Jahren.

beatle

Von den 4 „Bossen“ der GmbH lebt nun nur noch Gerd Glissmann. Er ist heute 71.

Anders bei NUTELLA – der „Schöne Klaus“ (Jahrgang 1953) und zahlreiche andere der „Nutella-Jungs“ erfreuen sich heute noch bester Gesundheit.

Klaus

Allerdings verstarb Thomas Born (Karate-Tommy, Jahrgang 1951), der die Schüsse im Salon Bel Ami am 22. Oktober 1982 gegen 1:30 Uhr überlebte, am 1.Mai 2015 im Altern von 63 Jahren an den Folgen eines kurz zuvor erlittenen schweren Herzinfarktes, nachdem ihm 2011 schon einige Bypässe eingesetzt wurden.

hofweg

2 Tage nach diesem Artikel auf meinem WordPress-Blog berichtete auch die Hamburger Morgenpost über das Ableben der einstigen Hamburger Rotlicht-Größe Harry Voerthmann:

Harry Voerthmann001

Fälschlicherweise heißt es in dem obigen Artikel der Hamburger Morgenpost, dass Waldemar Paulsen (Rotfuchs), eine ehemaliger Polizist der Davidwache, von Harry Voerthmann´s Tod durch eine Ex-Prostituierte erfahren habe, die heute in der Schweiz lebt.

Das stimmt nachweislich nicht. Diese Frau hat seit über 30 Jahren keinerlei Kontakte zu Herrn Paulsen und hat ihn von daher auch nicht über den Tod von Harry Voerthmann informiert.

Ein 4 Jahre jüngerer Halbbruder von Harry Voerthmann, der wie Harry aus Dortmund stammt, lebt übrigens noch und wohnt teils in Dortmund und teils bei seiner Freundin in Hagen.

 

 

 

 

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